Rampenlicht

HEIMKEHR (November 04)
HEIMKEHR (November 04) Regisseurs Damir Lukacevic:

Der Film "Heimkehr" ist das Kino-Debüt des Regisseurs Damir Lukacevic. Er hat in den neunziger Jahren einige Kurzfilme realisiert, von denen FREMDE HEIMAT und SPIEL DES TAGES mehrfach ausgezeichnet wurden, unter anderem mit dem Bundesfilmpreis in Gold und dem Prädikat "Besonders wertvoll". Das Regie-Handwerk erlernte Lukacevic während des Studiums von 1993 bis 1996 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (Studienfächer Regie/Dramatugie/Schauspielführung). Wobei er bereits als Schüler erste Super-8-Filme drehte.

Ein Kommentar von Damir Lukacevic zu seinem Kinodebüt "Heimkehr":
" ,Heimkehr' ist eine Geschichte über den Konflikt zwischen Vätern und Söhnen, über die materielle Fixierung der Eltern und - infolge dessen - über die Entfremdung von den eigenen Kindern. ,Heimkehr' ist aber auch ein autobiographisch geprägter und sehr persönlicher Film. Hintergrund ist die erste kroatische Rückwanderungswelle. Seit Beendigung des Krieges und der internationalen Anerkennung des kroatischen Staates zieht es viele kroatische Gastarbeiter vermehrt zurück in ihre alte Heimat. Dort wird nun unbarmherzig Bilanz gezogen: Wer hat es im Ausland geschafft? Wer ist zu Wohlstand gekommen? Wer hat versagt? Viele Familien kehren mit der stolzen Gewissheit zurück, in Deutschland viel Geld verdient zu haben. Ob dies auch zu innerer Erfüllung geführt hat, ist aus konservativer kroatischer Sicht irrelevant.
Ich habe stets nach einem starken Aufhänger gesucht, um diese hochaktuelle Geschichte der Kroatienrückkehrer zu erzählen. Und ich fand ihn bei einer Familie, deren 27-jähriger Sohn gestorben war. Es wurde erzählt, er sei bei einem Unfall ums Leben gekommen. In Wahrheit war der junge Mann depressiv, nahm Drogen und wählte schließlich den Freitod. Aus Scham gegenüber dem Bekanntenkreis (und verdrängten Schuldgefühlen gegenüber sich selbst) weigerte sich die gottesfürchtige Mutter seither, die Kirche zu besuchen. Die Eltern des Toten (wie auch die meisten Kroaten unserer Elterngeneration) sind einfach unfähig zu begreifen, weshalb sich ein Mensch in materiell gesicherten Verhältnissen selbst tötet. Statt sich der Wahrheit zu stellen, wird die Flucht nach vorne angetreten - in den Selbstbetrug. Die elterliche Fixierung auf materiellen Erfolg und die dadurch bedingte emotionale Entfremdung von den eigenen Kindern ist das Thema meines Films."

Edin Hinrichs-Hadzimahovic · Co-Autor:

Geboren in Brcko (Bosnien-Herzegowina) emigrierte Hinrichs-Hadzimahovic mit 22 Jahren nach Deutschland. Verschiedenen Jobs folgte ein Studium im Fachbreich Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg. Schon während seiner Studienzeit erhielt er für einige seiner Scripte Auszeichungen. Darunter zum Beispiel den Drehbuchpreis des Filmfestes München 2002 für die Co-Autorenschaft am Drehbuch zu KIKI UND TIGER oder den Drehbuchpreis "Sehnsüchte" 2002 für sein Diplom-Drehbuch DER SCHEIN.

Edin Hinrichs-Hadzimahovic über "Heimkehr":
"Im Sommer 2001 schickte mir Damir Lukacevic ein zwanzigseitiges Treatment. Ich sah darin die Möglichkeit, über Gastarbeiterfamilien und deren Konflikte in Deutschland zu berichten, die auch unsere eigenen sind. Das Immigrantenproblem der Älteren, ihre Kinder in der nach all den Jahren noch immer fremden Kultur zu ,verlieren'. Des Weiteren war es mir ein Anliegen, die Nachbarn hinter die Türe und Fassade von Gastarbeitern blicken zu lassen. Aus unserem Drehbuch ist ein Spielfilm geworden. Er rührt an, stimmt nachdenklich und überrascht immer wieder mit Szenen, die einen zum Lachen bringen. Das gesamte Team, von der Regie über die Schauspieler etc. bis zur Kamera, war an der Verwirklichung dieses Filmprojektes mit großem Engagement dabei. Ich freue mich, an dem Entstehen dieses - auch für mich sehr persönlichen - Films mitgewirkt zu haben."

Preise: 2001 Geneva Drehbuchförderpreis für HEIMKEHR

Heimkehr · Inhalt

Der "verlorene Sohn" Nikola (Rade Radovic) kehrt zu seiner Familie nach Stuttgart zurück. Seine Eltern, Vlado (Mustafa Nadarevic) und Anica (Vlasta Knezovic), kamen in den 60er Jahren von Kroatien nach Deutschland. Die Koffer voller Hoffnungen auf ein besseres Leben und mit einem Traum ­ dem eigenen Hotel an der kroatischen Adria. Unter Vlados verbissenem Ehrgeiz hat vor allem die Beziehung zu seinen drei Söhnen gelitten. Der älteste, Nikola, ein Popmusiker, hat im Streit mit seinem Vater gebrochen. Branko, der zweitälteste, ist tot. "Unfall" lautet die familieninterne Sprachregelung. Jozo (Carlo Ljubek), der Benjamin der Familie, soll mit den Eltern in die Heimat zurückkehren.
Am Vorabend der Reise lüftet Nikola das Geheimnis um Brankos Tod. Und offenbart seinem Vater, daß er selbst, der "erfolgreiche Musiker" in Wirklichkeit ein ziel- und mittelloser Streuner ist. Sein jüngster Bruder Jozo hat sich währenddessen in ein deutsches Mädchen verliebt und weiß nicht mehr, wohin er gehört. Nun scheinen die Eltern alle drei Söhne verloren zu haben ...

RICHY MÜLLER (Oktober 04)
RICHY MÜLLER (Oktober 04) Richy Müller, geboren 1955 in Mannheim, ist eines der markantesten Gesichter des deutschen Films. Vor über 20 Jahren begann seine Schauspielerkarriere mit dem Film "Die große Flatter", der für ihn gleichzeitig Debüt und Durchbruch war. Durch Filme wie "Irren ist Männlich", "Die Apothekerin" oder "Die innere Sicherheit" erlangte er eine große Popularität. In seinem neuesten Film FARLAND von Michael Klier, spielt er einen Menschen, der den Halt zum Leben zu verlieren droht. Er lernt eine junge Frau kennen, deren Schwester im Koma liegt und die ebenfalls dieses verzweifelte Lebensgefühl empfindet. Zwischen den beiden entwickelt sich nach und nach eine zarte Liebesgeschichte. Auf dem Filmfest in München stellte sich Richy Müller unseren Fragen zu seiner Rolle und den Bezug zu seinem eigenen Leben.

Wie geht man denn an so eine Rolle ran? Spricht man mit Angehörigen?

Nee gar nicht. Ich bin überhaupt nicht so ein Mensch, der recherchiert. Ich hab z.B. in dem Film "Zwischen Nacht und Tag", einen U-Bahn Fahrer gespielt, vor dessen Zug sich eine Frau wirft. Da hat man mich gefragt, ob ich denn mit Betroffenen gesprochen habe. Aber das wäre quatsch, ich kann das ja auch nicht nachspielen. Ich versuche das immer in mir zu finden. Meistens ist es so, dass ich Drehbücher lese und dann entsteht eine gewisse Stimmung. Diese Stimmung versuche ich aufrecht zu erhalten. Und diese vervollständigt sich dann auch oft mit den Locations, Situationen und wie die Partner sind.

Stichwort emotionaler Stillstand und entwurzeltes Lebensgefühl. Gab es in deinem Leben schon mal eine Situation, wo du gesagt hast, da war ich auch wie vor den Kopf gestoßen. Sich so in diesem Zwischenzustand befindend, zwischen Hoffen und Verzweiflung.

Ja, das war extrem, als meine Mutter gestorben ist. Die Konfrontation mit dem Wissen, dass man jemand nicht mehr sieht. Wenn jemand verreist oder sich von dir trennt, besteht immer noch die Möglichkeit, dass man ihn irgendwann einmal wieder trifft. Und im Zustand des Todes gibt es diese eben nicht. Ich bin eine zeitlang total in der Luft gehangen. Wie funktioniert das? Wie kann man weiter existieren? Vor Kurzem hatten wir eine Sitzung der Deutschen Filmakademie, bei der leider Peter Märtesheimer verstorben ist. Ich habe noch versucht, ihn zu reanimieren.

Während der Sitzung?

Ja, wir hatten keine Pause und er brach zusammen und es wurde nach einem Arzt gerufen. Dann kam ich hinzu und habe ihn da liegen sehen. Es waren schon ein paar Leute dabei, ihm zu helfen, aber ich habe gesehen, dass das nicht so richtig läuft. Ich habe das schon ein paar Mal gemacht und habe eben versucht, ihn mit Hilfe eines anderen Gastes, zu reanimieren. Parallel dazu lief alles weiter, die Leute haben Suppe gegessen. Das ist eben der Fakt, es sterben Leute und das Leben geht trotzdem weiter. Das war eben die Frage damals. Was ist, wenn meine Mutter, die ich mein Leben lang kannte, plötzlich weg ist? Wie kommt man damit klar? Wie kriegt man das geregelt? Man weiß, man sieht sie nie wieder!

Wie kommt man damit klar. Wie kommst speziell du mit so einem Verlust klar? Bist du ein Mensch, der gut mit Krankheiten umgehen kann oder verdrängst du das eher?

Wie geht man mit Krankheiten um? Das ist immer schwierig. Eine Krankheit macht einen immer solange unsicher, solange man nicht genau weiß, was es ist. Wenn man glaubt zu wissen, was es ist, dann tritt oft die sogenannte mentale Heilung ein. Diese Unsicherheit dessen, was uns da wohl drückt. Ist das jetzt ein Furz, der drückt oder ist es Darmkrebs? Diese Möglichkeiten gibt es, und dazwischen alle Variationen. Wenn man aber weiß, es ist irgendwie eine Verstimmung dann denke ich ist die Beruhigung da in unserem Kopf und da kann dann langsam eine Heilung eintreten. Man braucht ja oft gar nicht die Medikamente, das ist ja das was ganz wichtig ist, was früher ganz extrem war, das dieser Gott in weiß den Patienten im Unklaren ließ und somit die mentale Heilung nie Einsetzten konnte. Ich hab auch immer wieder nachgefragt wenn ich bei Ärzten war, was ist das? Aber andererseits ist es letztendlich der Umgang mit dem Tod der bei uns so ein bisschen verdrängt wird. Es sterben immer die anderen aber nicht man selbst. Es gibt ja auch den Spruch: "Wenn ich mal sterben sollte." Das impliziert auch das man nicht stirbt, und das ist es eben. Man sollte es nicht zu sehr verdrängen. Im Buddhistischen heißt es: "Die Geburt ist der Beginn sich mit dem Tod auseinanderzusetzen." Das ist unser Ziel. Wenn man sich die Fragen nach einem großen Ziel stellt, ist das Ziel der Tod. Und wenn man das irgendwie in seinen Lebensinhalt mit einbezieht, kann man die Angst verringern. Die natürlich in jedem von uns steckt.

In wie fern glaubst du denn daran das bei Koma Patienten das gute zureden hilf? Die Ärzte meinen ja ganz nüchtern, das bringt nichts, aber viele bauen darauf.

Ja gut, das sind die Ärzte. Aber es ist gleichzustellen mit Kindern, die geboren werden und man kriegt gesagt, ach die kriegen ja noch gar nichts mit. Das ist das gleiche. Wenn ein Kind nicht reden kann dann denkt man es versteht dich nicht. Und so bald es reden kann, redest du mit dem Kind als würde es alles verstehen. Das ist eine Kluft. Und ich sehen das genau so, wenn jemand im Koma liegt. Es gibt sicherlich auch unterschiedlichste Komaformen. Aber ich denke man redet ja auch mit einem Hund. Warum soll ich dann nicht mit einem Komapatienten reden. Das ist ja das absurde. Keine Frage, da sitzt man da und erzählt Geschichten. Der eine kann es, der andere kann es nicht. Im Film sieht man das ja, eben diese lethargische Haltung von Axel, der mal versucht den Namen zu sagen aber gar nicht rankommt und Angst hat vor Körperlicher Berührung. Und Karla macht das eben, erzählt dann einfach Geschichten. Wie wenn man mit jemand redet. Aber man erwartet ja immer "Ach ja", "Nee erzähl", "sach mal blos" und das kann eben nicht kommen. Und das hat ja teilweise schon therapeutischen Charakter. Eine Therapie ist nichts anderes als wenn man jemand zur Verfügung stellt zuzuhören. Das ist nicht das der Therapeut sagt, jetzt machen wir das und dann ist alles in Ordnung. Sondern einfach das jemand dasitzt und man kann reden. Reden ist ja letztendlich Therapie. Sich Sachen von der Seele reden die einen Blockieren über Jahre. Und ich denke schon dass das ganz Wichtig ist

Wo liegt denn in deinem Leben das Beständige im Unbeständigen?

Also bei mir ist es so dass ich Neugierde praktiziere. Ich bin nicht festgefahren. Als ich z.B. "Die große Flatter" gemacht habe und über Nacht bundesweit bekannt war, hab ich mir so ganz naiv gesagt: " ich hab's geschafft." Aber irgendwann hab ich gemerkt, was schafft man? Es gibt nichts zu schaffen. Es gibt nur neue Aufgaben. Oder den Weg beschreiten. Und dann hab ich auch gemerkt dass alle mich kannten, aber ich hatte nichts zu essen. Und wo ist da der Sinn der Sache. Also ich hab dann lieber was zu essen und mich kennt niemand als das ich von allen gekannt werden aber ich hab nichts zu essen. Und das war so der erste Denkanstoss, es geht nicht um Popularität, die kommt zwangsläufig wenn du dich mit Dingen der Öffentlichkeit beschäftigst, aber es geht darum das man versucht nächstenliebe zu praktizieren. Das man jedem dem man begegnet eine Chance gibt. Zuzuhören, das man sich nicht in dieser privilegierten Welt, in der ich mich bewege, dann auch noch so benimmt als ob man besser als Andere ist. Ich versuch mich immer zu orientieren an den normal Sterblichen. Freunde hab ich eigentlich in einem Kreis, der mit Film fast nichts zu tun hat, und wenn dann aber nicht mit Schauspielerei. Die einzige Ausnahme ist Jürgen Vogel. Ansonsten hab ich mit Schauspielern keinen permanenten Kontakt. Mich erhält der Moment am Leben, und der Moment der gestaltet sich unterschiedlich. Ich bin offen für Dinge. Und das bringt mir eben auch Momente, wo ich dann mit Dingen plötzlich total von vorne anfange. Ich glaube auch dass mich das auf eine gewisse Art jung hält. Ich hab über die ganzen Jahre mit vielen Leuten gearbeitet und dann stehst du vor denen und siehst du plötzlich so ein Alter, so was Altgewordenes. Als ich "Die große Flatter" gedreht hab, mit Günter Lamprecht, war das für mich nicht ein alter Mann, ein erwachsener Mann. Aber ich fühl mich nicht so. Ich fühl mich nicht erwachsen. Wenn ich mich unter jungen Leuten bewege dann fühle ich mich nicht alt, so wie wenn jedem auffällt, was will der denn da. Ich glaub das ist die Offenheit dass ich zuhöre was die anderen Leute machen. Ich will auch wissen was meine Tochter interessiert, z.B. Musik. Ich kenn doch die Sprüche noch: " Ach das ist doch Scheiß Musik, früher war alles besser." Ich hab die Beatles gehört, bin teilweise mit den Stones groß geworden oder den Sex Pistols. Aber das ist Geschichte. Wenn ich jetzt noch festhalten würde an diesen Dingen, würde ich in der Vergangenheit leben und würde mich somit alt machen. Ich hör mir die Sachen meiner Tochter an und fahr auch auf Sachen ab die sie gut findet. Manches finde ich auch nicht so gut. Es gibt einen Dialog und somit ist man am Puls der Zeit. Ich glaube das ist wichtig.

Du hast vorher schon von deinem Erfolg erzählt. Du warst bei "XXX" dabei, einer relativ großen Hollywood Produktion. Hast du dir danach gesagt, da will ich vielleicht auch mal hin, ich will den Schritt über den großen Teich wagen? Oder willst du lieber hier in Deutschland produzieren?

Also ich will in erster Linie hier in Deutschland produzieren. Weil ich finde das ist eine Frage der Herkunft, was man spielt. Ich kann nicht einen Amerikaner spielen. Das wäre Quatsch. Einen Tschechen, Russen, ein blöder Deutscher oder so. Aber insofern ist natürlich interessanter von Dingen zu erzählen, die man erlebt. Also die man spürt, Amerika kann ich ja überhaupt nicht begreifen. Früher hieß es die spinnen die Römer, jetzt heißt es die spinnen die Amis. Es war mal lustig in so einer total fetten Kinoproduktion mitzumachen, die glaube ich 90 Millionen Dollar nur für die Produktion hatten und noch mal 50 rausgehauen haben für die Werbung. Das Team war wirklich schön, es war erstklassig besetzt. Ein Oskar Gewinner als Kameramann, ziemlich viele Operater die mit Gott und der Welt gedreht haben. Ich hab auch gemerkt dass die ich total respektiert wurde in meiner Arbeit und das war für mich mehr oder weniger eine Generalprobe. Dafür das ich mit meiner Gelassenheit, die ich im Beruf mittlerweile erreicht habe, mit jedem vor die Kamera treten könnte. Ich wäre zwar aufgeregt aber nicht ängstlich. Ich habe einfach gesehen dass es funktioniert. Es war mal schön so ein Ding mitzumachen. Aber letztendlich ist es nicht mein Leben. Du musst dich permanent verkaufen und ich bin kein Kaufmann. Und schon gar nicht mir mit selbst.

Weil du gerade Gelassenheit angesprochen hast. Ich hab ein Zitat von vor drei Jahren, aus einem Interview von dir: "Die Suche nach Ruhe und Gelassenheit, der Versuch gewissen Ängsten ganz gelassen gegenüber zu stehen. Ich hab schon sehr viel Gelassenheit gefunden, arbeite aber noch daran." Ist das besser geworden? Hast du die Gelassenheit mittlerweile ganz gefunden?

Im Beruf schon, das war damals auch schon so. Ich hab relativ früh verstanden dass man sich selbst unter Druck setzt in dem man sich die Aufgabe stellt, ich muss gut sein, als Schauspieler. Und dann ist man eigentlich schon so eingeengt, dass man das nicht kann. Ich geh morgens hin und höre mir an was jemand will und versuche das umzusetzen. Und sitze nicht abends zuvor Zuhause oder im Hotel, je nach dem wo ich bin, und sage, also wenn ich morgen das mache und das fände ich dann noch gut. Es stimmt nicht, das ist so ein Einzelgänger Trip. Ich hab für mich ganz früh herausgefunden dass ich nur ein Werkzeug des Regisseurs bin, der den Film macht. Und der sagt, ich sehe das so und so und ich versuche in dessen Rahmen all meine Möglichkeiten auszuschöpfen, bis in die feinsten Poren. In so fern bin ich nicht kreativ. Ich bin nur Diener dessen. Weil es macht ja jemand Anderer einen Film. Dann muss ich schon selbst einen Film machen. Aber wenn man sagt ich will jemanden sehen der so und so rüberkommt, dann versuch ich das Darzustellen. Dann geh ich da morgens hin und dann hört man, oder spürt man, was jemand will und dann versucht man das. In einer gemeinsamen Auseinandersetzung, ob das verbal, nonverbal oder körperlich ist. Und dadurch hab ich relativ schnell die Angst verloren, zu versagen. Man ließt manchmal Szenen, und dann kann ich mich oft erinnern das man sagte: "O Gott wie soll ich das denn hinkriegen? Wie soll ich denn weinen?" Und später hat sich dann rausgestellt, völlig falsch das der da weint. Während der Arbeit hat es sich herauskristallisiert, das würde gar nicht passen, das wäre viel zu viel, oder man würde viel zu viel damit verraten. Also war die Sorge abends im Hotel, diese schlaflose Nacht, völlig umsonst. Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen. Was soll ich mir abends den Kopf zerbrechen wenn ich morgens nicht mehr wach werden weil ich sanft entschlafen bin. So sehe ich das.

Und das gelingt noch nicht so gut?

Doch, natürlich. Aber man hat immer wieder Rückfälle, man verfällt oft in Mechanismen die man lange gelebt hat. In so einer Zeit wo man relativ unbewusst gelebt hat. Es gab auch eine Zeit wo ich von mir gesagt hab, ich bin halt so. Und das stimmt nicht, man ist immer nur so wie man sich konditioniert, morgens. Wenn ich morgens aufstehe und denke, ach ist das ein scheiß Tag, dann ist der Tag scheiße. Aber wenn ich morgens aufstehe und freue mich, und das liegt letztendlich nur an einem selbst, dann hat der Tag eine bessere Chance gut zu werden. Und so kann man Ängste schüren, man kann aber auch Kraft schöpfen. Und man lässt sich von großen Rechnungen oder ausbleibenden Angeboten die Ruhe nicht nehmen. Also wenn ich einer Phase wo vielleicht gerade nichts kommt, permanent rummsitzen würde und sagen, ach Gott wie soll ich meine Miete bezahlen und wie geht den das. Dann ist es auch so. Ich weiß dann nicht wie ich meine Miete bezahlen soll. Und so hangele ich mich von einem Tag zum anderen, versuch den zu genießen und so sorglos wie möglich im Sinne von, das man sich nicht irgendwelche Fragen stellt die man sowieso nicht beantworten kann, zu leben.

Du drehst seit 20 Jahren Filme. Wie siehst du die Entwicklung des deutschen Filmes in dieser Zeit?

Keine Ahnung. Da blick ich überhaupt nicht durch. Ich finde immer das Vergangenheit, Vergangenheit bleiben soll und wir versuchen müssen irgendwie den Moment zu leben. Ich dreh zurzeit mit sehr viel jungen Leuten, das knüpft an die Sache mit dem Frischbleiben an. Das ich für junge Leute überhaupt existent bin. Also dass diese auf mich zukommen und wollen gerne mit mir arbeiten, aber nicht weil ich jetzt ein erwachsener bin sondern weil die so eine Energie oder eine Intension haben wollen. Und das ist für mich ein Zeichen das ich auf dem Richtigen Weg bin. Zeigt aber auch das unheimlich viele nachwachsen, eine neue Generation, und eben nicht mehr diese "No Future", sondern wirklich Leute die was wollen und die sich mit Jungen Jahren schon mit Themen auseinandersetzten, wo man sagt, die haben echt aufgepasst und die kriegen mit, das es eben nicht nur nett ist mal einen Film zu drehen und sich in der Szene Rumzutreiben. Die also wirklich was wollen, aber nicht weil sie Erfolg haben wollen.

NIGHTHAWKS PICTURES
NIGHTHAWKS PICTURES TRAUMFABRIK EINMAL ANDERS

Mit Filmen wie "Gott ist tot" (u. a. Götz George), "Mein erstes Wunder", "Motown" und dem vielbeachteten Film "Oi!WARNING" brach Nighthawks Pictures in die deutsche Film- und Verleih - Landschaft ein. Mit Karacho und viel Applaus. Die Nighthawks Pictures bietet sich auch als Dienstleister für andere Produzenten an. Diese Filme mit ca. 30 Kopien sind inzwischen ein kleiner Faktor am Gesamtumsatz des Unternehmens. Mit CORONADO wird die Nighthawks Pictures im April zum ersten mal einen Film mit 120 Kopien mit einem entsprechenden Vermarktungsbudget auf den Markt bringen. In den letzten 4 Jahren wurden zahlreiche Filme im Auftrag oder auf eigenes Risiko herausgebracht. Inzwischen vertreibt die Nighthawks Pictures GmbH & Co. KG nur noch die hauseigene Produktionen oder bringt Produktionen mit unabhängigen Produzenten heraus, an denen die CH Media beteiligt ist. Inzwischen arbeiten drei Angestellte und mehrere freie Mitarbeiter für die Gesellschaft. Wir finden diese Firma sehr spannend und baten den Geschäftsführer Christoph Heckenbücker um ein paar nähere Informationen. Es wurde ein feines Interview daraus:

Was ist Nighthawks Pictures?

Nighthawks Pictures ist ein unabhängiges Verleihunternehmen, dass sich zum Ziel gesetzt hat, Anspruchsfilme und kommerzielle Filme herauszubringen. Wir wollen eine unabhängige Struktur aufbauen, die Produzenten wieder in die Lage versetzt, Kinofilme in Deutschland zu produzieren. Dafür muss aber das Verhältnis zwischen Produzent und Verleih neu definiert werden.

Warum dieser Name?

Ich hatte 1998 einen Kurzfilm mit Juliane Köhler und Peter Lohmeyer produziert, der den Titel NIGHTHAWKS hatte. Es war eine Persiflage über das Leben vor und hinter der Kamera. Zugleich aber eine Verneigung an den Künstler Edward Hopper. Der Film spielt in der nachgebauten Kulisse eines seiner berühmten Bilder.

Wer steckt dahinter?

Nighthawks Pictures wurde 1999 u. a. von mir gegründet. 2001 übernahm ich dann die Geschäftsführung. Die Idee zur Gründung einer Verleih- und Vertriebsfirma war mir zum Ende meines Studiums gekommen. Ich habe mich mit der Finanzierung von Filmen und deren Verwertung beschäftigt. Das Ergebnis war sehr ernüchternd. Ohne eine eigene Vertriebsstruktur ist ein unabhängiges Arbeiten nicht möglich. Wenn Sie die erfolgreichen Firmen am Markt betrachten, werden sie feststellen, dass der überwiegende Teil eine eigene Vertriebsstruktur hat oder in eine feste Vertriebspartnerschaft eingebunden ist.

Welche Produktionen liegen vor?

Wir haben Partnerschaften mit diversen Produzenten. Wichtigstes Projekt, das kurz vor der Finanzierungschließung steht, ist MARIA AN CALLAS mit Götz George und Martina Gedeck.

Pläne für die kommenden Monate - was ist in der Pipeline?

Wir bringen für den Oskarpreisträger Volker Engel die Produktion CORONADO in die deutschen Kinos. Starttermin ist voraussichtlich im April 2004. Dies wird unser größter Release mit einem großen Werbeaufwand sein.

Sitz der Firma ist Potsdam - ein Omen?

Nach meinem Studium an der HHF München, bin ich nach Berlin-Brandenburg gegangen, weil sich hier sehr viel bewegt hat und immer noch tut. Es ist hier notwendig, erfinderisch zu sein, weil weniger Förderungsmittel zur Verfügung stehen. Potsdam hat Tradition für mich. Ich hatte das Glück, Anfang der 90er Jahre bei der Großproduktion UNENDLICHE GESCHICHTE III von Peter McDonald mitzuarbeiten. Ich habe in dieser Zeit Potsdam als Standort kennen- und lieben gelernt. Der Ort verbindet Tradition mit einem sich schnell entwickelnden Medienbereich.

Ist der deutsche Film ein Problemkind?

Ja, aber natürlich. Der deutsche Film hat ein krasses Imageproblem. Viele - explizit nicht alle - verdrehen schon die Augen, wenn sie deutsches Kino nur hören. Filme wie Good Bye Lenin, Luther und Das Wunder von Bern zeigen dagegen, dass erfolgreiches deutsches Kino möglich ist. Der Marktanteil deutscher Filme hat in den letzten Monaten erfreulich zugenommen.

Wenn ja - warum?

Der deutsche Film liegt - wie ich immer sage - im Tal der strukturverschuldeten Unmündigkeit. Damit meine ich, dass der Markt in Deutschland so strukturiert ist, dass es sehr schwer ist, erfolgreiche Titel überhaupt herzustellen. Schauen Sie sich nur an, was ein Produzent machen muss, um seine Finanzierung zusammenzubekommen. Ohne Fernsehen geht es nicht, da die Fernsehsender sich in der Regel an den Förderungseinrichtungen beteiligt haben. Warum sollten Sender Programme fördern, die nicht in ihre Programmschiene passen? Mehr noch, nach der Preistreiberei in den Börsenzeiten sind sich die Sender über ihre Alleinstellungsmacht sehr bewusst. Und es ist sogar verständlich, da es einige ziemlich übertrieben haben. Die Folge jedoch ist, dass sie eine freie unabhängige Lizenz nur sehr schwer ohne Senderbeteiligung finanzieren können. Weiterhin ist es strukturbedingt, dass der Produzent in der Regel nur 5% Barmittel einsetzen muss und über die "Handlungskosten" bereits durch das reine Produzieren verdient. Auf den Erfolg im Kino ist dieser nicht angewiesen und daher dem Kinomarkt nicht nahe. Der Verleih muss hingegen mindestens mit 30% Eigenmitteln finanzieren. Oft sind es sogar bis zu 50% Eigenmittel, die auch bar erbracht werden müssen. Daher wird der Verleiher bemüht sein, ein Produkt zu wählen, dass er als erfolgversprechend betrachtet. Er denkt also vertriebsbezogen. Beides passt nicht zusammen, da in der Regel der deutsche Verleih den Film erst nach Fertigstellung zur Übernahme bekommt. Also zu einem Zeitpunkt, zu dem nichts mehr am Produkt verändert werden kann. Bemühungen, den Verleih von vornherein einzubinden, werden nur halbherzig verfolgt. Dies wäre aber dringend notwendig. Darauf zielen unsere ganzen Anstrengungen. Wir versuchen auch, im Verhältnis zwischen Produzent und Verleih neue Wege zu gehen, um dem Produzenten mehr Marktnähe zu ermöglichen.

Wenn nein - warum wird dies immer wieder behauptet?

Lobby, derjenigen, die von dieser Struktur profitieren.

Mit welchen Schwierigkeiten hat der deutsche Film international zu kämpfen?

Er ist international nicht kompatibel. Auch hier ist es strukturell sehr eingeschränkt, wenn man mit deutschen Finanzierungsinstrumenten versucht, international mitzuproduzieren. In Deutschland richten sich alle nach dem Ausgabe-Effekt: Bekommst Du einen Euro müssen 1,50 Euro wieder ausgegeben werden. Dieser Ausgabeeffekt lässt die Erfolge politisch besser rechnen. Entscheidend aber wäre ein Einnahmeeffekt. D.h. der Produzent müsste in der Lage sein, ein Produkt zu erstellen, das ihm Einnahmen bringt, die er zu versteuern hat. Betriebswirtschaftlich gesprochen, ist Film eigentlich ein wunderbares Produkt. Er hat nämlich Grenzkosten, die gegen Null laufen. Grenzkosten umschreiben die Tatsache, dass ich für eine erhöhte Nachfrage nicht wieder Geld einsetzen muss, um diese zu befriedigen. D.h. ich müsste eigentlich bemüht sein, einen Film herzustellen, der in möglichst viele Länder zu verkaufen ist, um den höchst möglichen Ertrag zu erzielen. Die amerikanischen Produktionen richten sich nach diesem Prinzip und nennen die Kompatibilität: "cultural discount" Diesen Discount sind die Deutschen nicht bereit zu zahlen. Folglich bleibt die Auswertung auf Deutschland, Österreich und die Schweiz beschränkt.

Welche Spagate sind nötig, um in dieser Branche zu überleben?

Flexibilität an allen Fronten. Sie müssen die Lücke suchen, die ihnen Stabilität bringt.

Gibt es einen "Stoff", den Sie unbedingt mal machen möchten?

Verrate ich nicht. Hatte schon DAS WUNDER VON LENGEDE mal vom Herbigverlag in München optioniert. SAT.1 lehnte ab und wird jetzt mit Auszeichnungen überhäuft. Ich hätte den Film im übrigen fürs Kino produziert. Wenn meine Projekte konkret sind, werde ich es ihnen gerne mitteilen.

INTERVIEW PHILIPP STÖLZL
INTERVIEW PHILIPP STÖLZL Philipp Stölzl, der sich bisher als Regisseur in Werbe- und Musikvideoproduktionen (u.a. für Rammstein, Westernhagen und Madonna) einen Namen gemacht hat, feiert mit "Baby" sein Spielfilmdebüt.

Am 12.Februar 2004 kommt "Baby", das deutsche Pendant zu "American Beauty", nach zahlreichen Festivalvorstellungen in die deutschen Kinos. Die Geschichte ist schnell erzählt: Nachdem ihre Frauen im selben Augenblick bei einem Autounfall ums Leben kommen, ziehen die Witwer Frank (Filip Peeters) und Paul (Lars Rudolph) im gemeinsamen Haushalt Franks kleine Tochter Lilli (Alice Dwyer) groß. Als Lilli im Alter von 15 Jahren schwanger wird, erschießt der jähzornige Frank Lillis Freund und wandert dafür in den Knast. Lilli flieht daraufhin mit Paul, dem wahren Vater ihres Kindes. Frank erfährt die Wahrheit und bricht aus...

Was hat Dich gerade an diesem Stoff gereizt?

P.S.: Primär das Drehbuch zu einem guten und intensiven Schauspielerfilm. Ein Musikvideo ist immer eine stark visuelle Angelegenheit, in der es vor allem um Bilder und Schnitte, um Farben und Kamerabewegungen geht. Da hat man natürlich irgendwann eine große Sehnsucht nach Schauspielern, die im Kino die Essenz dessen sind, was einen bewegt.

Hast Du beim Dreh eines Spielfilmes weitere Unterschiede im Vergleich zum Musikvideo ausgemacht?

P.S.: Der handwerkliche Aspekt am Set ist der gleiche. Die eigentliche Arbeit hat man im Vorfeld, also beim Drehbuch und der Besetzung - Dinge, die beim Musikvideo und beim Werbefilm gar nicht existieren. Wenn ein Video eine kleine Affäre ist, ist ein Spielfilm eine richtige Beziehung, auf die man sich ganz anders einlassen muss. Mehr Arbeit, aber auch mehr Glück.

Warum kommt "Baby", obwohl bereits 2001 abgedreht, erst jetzt in die Kinos?

P.S.: Gute Frage. Da muss man wahrscheinlich eher die Produzenten fragen. Meiner Meinung nach ging es der deutschen Kinolandschaft nach dem Zusammenbruch des neuen Marktes einfach schlecht. Ich habe das Gefühl, es war ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um einen Film wie "Baby", der auf den ersten Blick überhaupt nicht kommerziell ist, in die Kinos zu bringen. Dass er nach den vielen Festivals jetzt auch noch den Weg ins Kino findet, ist für mich eher ein Bonus.

Nun gabs ja nicht nur beim Weg ins Kino ein paar Verzögerungen, sondern auch bei der Besetzung. Für die Rolle des Paul war ein gewisser Herr Westernhagen geplant. Warum blieb der in seinem Revier und der Film ohne ihn?

P.S.:Das ist eigentlich eine etwas längere Geschichte. Es war so, dass ich erst durch ihn an das Drehbuch gekommen bin. Ursprünglich war er auch sehr an der Paul-Rolle interessiert. Im Endeffekt war es dann doch nicht die Art von Film, mit der er nach so langer Abwesenheit ins Kino zurückkehren wollte.

Kann man sagen, dass die noch eher unbekannten Schauspieler Deinem Film ein besonderes Gesicht verleihen?

P.S.: Ich habe beim Besetzen überhaupt nicht darauf geachtet, ob man den Schauspieler kennt oder nicht. Ich habe eher geguckt, mit welchen Schauspielern ich glücklich bin und wie ich ein stimmiges Trio finde. Bei den beiden Männern war es mir wichtig, zwei unterschiedliche Typen zu haben, die als Ying und Yang in der Geschichte funktionieren.

Die Handlung findet an anonymen, sehr tristen Orten statt. Warum?

P.S.: Das Drehbuch zu "Baby" war nie eine Milieustudie. Für die Geschichte ist es völlig unwichtig, wo die Personen wohnen. Wichtig ist die merkwürdige Konstellation mit diesen zwei Männern und diesem halbwaisen Mädchen. Je mehr ich das alles in eine etwas stilisierte, anonyme, namenlose Welt rücken kann, desto mehr bekomme ich den Blick frei auf die Figuren.

Warum zeichnest Du mehrere Handlungsstränge parallel und konzentrierst Dich nicht auf die Geschichte einer Figur?

P.S.: Ich empfinde es nicht als Schwäche, sondern vielmehr als eine Charaktereigenschaft, die dieser Film hat: Der distanzierte Blick auf drei gleichwertige Figuren und ihr Bemühen, im Leben durchzukommen und mit ihren Problemen klarzukommen.

Wenn Du Dir das Publikum vorstellst, wen siehst Du vor Dir - wer sieht sich Deinen Film an?

P.S.: Keine Ahnung. Ich habe mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich nehme staundend zur Kenntnis, dass der Verleih gesagt hat, der Film spreche Frauen zwischen 18 und 34 an.

Muss Man(n) sich Gedanken um seine Männlichkeit machen, wenn er sich angesprochen fühlt? Stichwort Weichei.

P.S.: Nein, ich glaube auch eher, dass es ein Männerfilm ist. Die Geschichte dieser Männerfreundschaft der beiden Jungs ist für mich nämlich der stärkste Strang. Er ist fast ein bisschen kraftvoller als die Geschichte um Lilli. Ich hoffe natürlich, dass alle möglichen Leute diesen Film anschauen. Ich selber habe bei bisherigen Vorführungen gemerkt, dass der Film eigentlich supergut funktioniert: die Leute sind an den richtigen Stellen erschrocken und haben an den richtigen Stellen gelacht.

"Baby" ist Dein Einstieg in die Spielfilmwelt. Wie geht's weiter?

P.S.: Ich habe so etwas wie eine Lebens-, Karriere- oder Arbeitsstrategie und möchte unbedingt im Genrekino Fuß fassen. Das Festivalpublikum, also das Publikum nachts auf Arte, ist definitiv nicht das Publikum, das ich im Auge habe, wenn ich an die nächsten zehn Filme denke, die ich machen möchte.

Welchen Stoff würdest Du gerne einmal umsetzen?

P.S.:Der Roman "Alraune" von Hanns Heinz Ewers. Wir fangen gerade an, diese Geschichte zu entwickeln, und es ist ein absoluter Traum. Ich hoffe sehr, dass daraus auch ein Film wird.

Wie muss ein deutscher Film beschaffen sein, um heutzutage kommerziell erfolgreich sein zu können?

P.S.: Das hat immer mit einzelnen Filmen zu tun und ist so nicht planbar. "Good Bye Lenin" ist einfach ein wunderbarer Film. Auch "Der Schuh des Manitu" ist total lustig, liebevoll gemacht, die Schauspieler sind gut geführt und es macht Spaß ihn anzugucken. "Das Wunder von Bern" ist ein tolles Thema. Solange es diese gut gemachten, tollen, emotionalen Filme gibt, werden die Leute auch reingehen.

Das Interview führte Jens Grotegut.

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