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blixa

Wir sprachen mit Blixa Bargeld über das neue Album der Einstürzenden Neubauten, Perpetuum Mobile. Von Monika Schindler.

1988 begab es sich, dass ich das Bizarre Festival besuchte, damals noch auf der Loreley. Es spielten die Pogues, Philip Boa, Guesh Patti, die Sugarcubes und unbizarrerweise INXS, die dann jedoch absagten und dafür sprangen die noch unbizarreren Georgia Sattelites ein. Auf eben diesem Festival spielten auch die Einstürzenden Neubauten. Es traf mich wie ein Blitz, ich stand mit offenem Mund vor der Bühne, vergaß alles um mich herum, versank in den Klängen dieser unglaublichen Band, war für alle Zeiten bekehrt und zog sofort am nächsten Tag nach Berlin.

Naja, nicht ganz. Ich hielt mir die Ohren zu ob des metallenen, unmelodiösen Lärms, holte mir etwas zu Essen, suchte ein entferntes, ruhiges Plätzchen auf und machte ein Nickerchen.

Inzwischen ist viel Wasser die Kehlen nicht heruntergeflossen und ich habe mir 1996 Ende Neu gekauft, weil mir das Duett von Blixa Bargeld mit Meret Becker in 'Stella Maris' so gut gefallen hat. Total unpunkig, schon klar. Vor einigen Wochen dann ereilte mich die Anfrage der Redaktion, ob ich denn nicht ein Interview mit Blixa Bargeld machen wolle. "Na klar - für Bargeld bin ich immer zu haben" kalauerte ich

Zwei Tage vorher begann ich mit der Recherche - Teipel musste her, damit ich mir erlesen konnte, was andere damals erleben konnten. Und was hab ich gelesen! In Taucheranzug und Gummistiefeln lief er immer herum, der Herr Bargeld, die Haare wild rasiert und an den kahlen Stellen die Kopfhaut eingeschnitten! Und er war Schul- und Sozialhilfeabbrecher und hauste in einem Keller! Langsam wurde ich nervös. Und las weiter. Vom Tali-Kino, das Herr Bargeld betrieb und in dem immer nur Rocky Horror Picture Show lief, von Bettina Köster und Gudrun Gut und dem Eisengrau, von den Quereleien mit den Humpe-Sisters - oder besser: nur Annette, und der kleine Ben Becker, der war ja wohl ein ganz schlimmer Finger!

Tief beeindruckt und ganz versunken in diese Ära, nahm ich mir anschließend die Biographie von Blixa Bargeld vor - 4 DIN A4 Seiten! Autor von Theaterstücken und diversen Büchern, Mephisto-Darsteller, Komponist für Film- und Theatermusiken, Performer, Sprecher für Hörspiele, Dozent und ehemaliger Gitarrist bei den Bad Seeds. Mein lieber Dscholli.

Danach hörte ich mir das neue Album Perpetuum Mobile an. Und las die Texte. Meine Lieblingswort-schöpfung ist 'Weltraumpflegerin'. Vielleicht der Beruf der Zukunft? Der Titelsong ist nicht nur ein echtes 13 ½-minütiges Werk, sondern auch ein Ohrwurm - seit vier Tagen läuft in meinem Kopf "Von A nach B der Liebe wegen, von A nach B der Liebe wegen" in einer Endlosschleife. Hmm, und 'Paradiesseits' klingt so entspannt nach Urlaub. Ob Herr Bargeld eine Zeit am Meer verbracht hat? Das frag' ich!

"Ich habe etwas gemacht, ich habe etwas in die Welt gesetzt, dadurch dass ich es jetzt veröffentlicht habe. Dieses Etwas enthält auch Text. Ich möchte aber nicht den Text erklären. Ich gebe jedem das Recht, den so zu verstehen und so zu interpretieren, wie er es möchte, aber vor allem möchte ich, dass er sich etwas da herauszieht, was für ihn in seinem Leben positiv ist. Auch wenn das nur bedeutet, dass er es dreißig Minuten auf einer Einkaufsfahrt unterhaltsam findet."

© Irgendwo In Deutschland| Letzte Änderung 25.02.2017

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